Mein Name ist Jean-Baptiste Abel. Ich bin der Sohn von Johann Joachim Christoffel Wenzel Freiherr Abel zu Nollendorf und seiner Nichte dritten Grades väterlicherseits Emilia Cäcilie Walburga Gräfin Abel-Grimmelshausen zu Salm, Salm-Salm und Bochum und wurde im eigens dafür erbauten Jupiter-Pavillon im englischen Teil des Schlossgartens von Palais Beaurepos, dem von Weinbergen umgebenen Stammsitz meiner Familie im Burgund geboren. Bitte verwechseln Sie meine Familie nicht mit dem gelegentlich durch die Gazetten geisternden Stamm der Barone Abel von Witten, die im ausklingenden siebzehnten Jahrhundert aufgrund eines Büroversehens zum protestantischen Glauben übertraten und seitdem nur noch durch gescheiterte Ehen mit Bürgerlichen und allerlei gewöhnliche Petitessen von sich reden machen.
Bis zu meinem zehnten Lebensjahr lebte ich umgeben von meinen sechs Geschwistern glücklich auf dem Stammsitz meiner Großmutter, die wir liebevoll “Frau Gräfin” nannten und erhielt als Erstgeborener von einem Privatlehrer Unterricht in Reiten, Gesellschaftstanz und Standesdünkel. Ich bewunderte oft die wohlbehütete Freiheit, in der meine Geschwister und ihre Verlobten im Schlosspark Crocket spielten und vom Hauspersonal Opern aufführen ließen, während ich auf meine Karriere im forstwirtschaftlichen Betrieb meiner Ahnen vorbereitet wurde. Doch all die Entbehrungen, die mein junges Leben zwischen Fuchsjagd und maßangefertigten Tweedanzügen mir abverlangte, vergaß ich stets, wenn ich meinen Lieblingsdomestiken vor dem Einschlafen auspeitschen lassen konnte.
Der Abschied von den heimischen Ländereien zugunsten meiner Ausbildung am Collège “Louis le Bègue” an der Côte d’Azur fiel mir sehr schwer, doch so sehr mein Privatsekretär es versuchte, mein Vater war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Enttäuscht sandte ich seiner Mätresse Sonette, in denen sich Francesco Petrarca bitterlich über etwas beklagte, was ich nicht richtig verstand. Sie dankte es mir, indem sie mir eine Rolex schenkte, auf deren Rückseite “Ruf mich nie wieder an, Du Pisser. Deine Großtante Mechthild” eingraviert war. Ich vermisse ihre Ironie sehr, seitdem sie – als Jagdgöttin Diana verkleidet – in einer mit Bowle gefüllten Louis-XVI-Badewanne ertrank, nachdem mein Cousin dritten Grades – der spätere Ladislaus VII von Rumänien – aufgrund des Konsums ebenjener Bowle geglaubt hatte, man könne die Marmorputten zum Fliegen bringen, wenn man ihnen nur genug Schwung gebe, und der letzte Flugversuch am Hinterkopf meiner seligen Großtante landete. Wir haben selten wieder so herzlich gelacht.
Zu meinem sechzehnten Geburtstag schenkte mein alter Vater, der mittlerweile Vizekonsul eines mittelamerikanischen Staates geworden war, mir eine Marienkapelle, die fortan meinen religiösen Eifer befeuerte und die ich mit zahlreichen Reliquien und Ikonen aus meiner Sammlung ausstattete. Dennoch wurde mein Leben zusehends härter, da meine Schulnoten an der Johann-der-Kurzatmige-Oberschule für Jungen aus besserem Hause am Genfer See zusehends unter dem Gruppenzwang meiner Klasse litten. Kinder können schrecklich grausam sein, besonders wenn Sie feststellen, dass die Familie eines Klassenkameraden nicht in gerader Linie von Karl dem Großen abstammt. Ich wurde noch schlimmer gehänselt, als herauskam, dass unser Hotelkomplex in Dubai keine eigene Autobahnausfahrt hatte. Erst als mein Vater der Schule einen internationalen Flughafen und eine Urananreicherungsanlage spendete, akzeptierten meine Klassenkameraden mich als einen der Ihren und nahmen mich mit, wenn sie am Wochenende einen Putsch in Südamerika anstifteten oder im Kasino daxnotierte Unternehmen verwetteten.
Seit meinem Abschluss und dem Ankauf eines MBA kümmere ich mich um vermehrt wohltätige Projekte und führe mit meiner Ehefrau, Natascha Freifrau von Borgwart-Berwartstein ein bescheidenes Leben. Dabei kann ich mich endlich meiner wahren Leidenschaft, der Portraitmalerei widmen. Ich genieße es sehr, in eleganter Kleidung für den Maler zu posieren und ihm dabei zu verhelfen, Kunstgeschichte zu schreiben.
on Jun 2nd, 2009 at 23:48
Und am Ende bleibt ein Lebenslauf über und ich weiß, wer du bist. So!