Dies ist kein Blogeintrag. Denn wäre dies einer, er würde ein klitzekleines Erlebnis in meinem Leben aufgreifen, ein scheinbar irrelevantes Detail, und würde es von allen Seiten beleuchten. Er würde es auseinandernehmen, vorsichtig, wie mit einem dieser winzigen Schraubenzieher, die in jedem Werkzeugkoffedabei sind, um die Werbeaussage “250-teilig” gerade noch so aufrechterhalten zu können, bei denen man sich aber gleichtzeitig fragen muss, ob man wirklich jemand bei e-bay einen Werkzeugkoffer kauft, wenn er eigentlích Uhrmacherwerkzeug braucht . Ein Blogeintrag aber bräuchte keinenEbaywerkzeugkoffer, er benutzt die Schraubenzieher ja nur metaphorisch und braucht dazu auch keins dieser Zwitter aus Monokel und Mikroskop, die Ridley Scott aus der Requisite anfordert, wenn er in einem Film aus dem Viktorianischen Zeitalter sagen will, dass jemand ganz präzise arbeitet und gerade etwas unglaublich krass feinmechanisches zusammenbaut, zum Beispiel die fluxkompensatorbetriebene Dampflok, mit der Emmet Brown am Ende von Zurück in die Zukunft im Jahr 1985 auftaucht. Die ist zwar ziemlich riesenhaft, weil ja neben dem Doc auch seine Familie darauf Platz haben müssen, aber die hat bestimmt auch ganz furchtbar fitzelige Kleinteile, für die man so einen Monokelmikroskopzwitter braucht. Oder vielmehgr bräuchte, weil ja der Doc so eine n ganzen Helm hat. Aber der Fil m ist ja auch nicht von Ridley Scott, sondern von Robert Zemeckis. Ein Blogeintrag jedenfalls bräuchte das alles nicht, zumal dies ja auch kein Steampunk-Blog ist, sondern eins, in dem es um mich und mein Leben geht, deshalb steht da ja auch mein Name drauf.

Spoiler alert: Dies ist kein Blogeintrag, kann jedoch Spuren von Bandwurmsätzen enthalten. Foto: mackz
Einen Blogeintrag würde ich mit einer eleganten Begrüßung beginnen und im gleichen Atemzug all jenen gratulieren, die meine subtile Magritte-Anspielung verstanden hätten, ohne allen anderen vor den Kopf zu treten, vor allem nicht dem Hallenser Tierzüchter, der ja immer ein riesiges Lamento anstimmt, weil er ja um die Sprache meiner Väter (vielmehr meiner Mütter, aber für solche biographische Finessen ist in meinen gewöhnlich pointierten Blogeinträgen ja kein Raum; wobei der Plural allein ja schon Quatsch ist, weil ich – wie die meisten – ja nur eine Mutter habe. Der Sieg, sagt man ja, hat viele Väter, womit nichts über die Mütter gesagt wird, aber das gehört nun wirklich nicht hierher. Vielleicht hat die Saarbrücker Doppelnamenstaatsanwältin ja einen Blog, den man damit vollschreiben könnte.) durch seinen Übervater gebracht wurde, der wollte, dass er Latein lernt. Aber gut. Für die jedenfalls hätte ich – mit einer süffisante Bildunterschrift garniert – das Bild “Der Betrug der Bilder” in einer Creative Commons-Lizenz gepostet. Etwa von profzucker

"Dies ist übrigens auch keine examinierte Krankenschwester" hätte hier eine schöne Bildunterschrift sein können.
Aber dies ist ja – wie gesagt – kein Blogeintrag. Sonst würde er ja vor Pop- und Netzkulturanspielungen strotzen, dass es nur so blitzte und aus einem Video eines vor Wonne die Krallen in die Höhe reckenden Feuchtnasenäffchens voller Wortwitz philosophische Handlungsmaximen ableiten, anhand derer der so bereicherte Leser sein restliches Leben ausrichten könnte und 2050 bei einer Zigarre auf die Frage der 2050-Version von Sandra Maischberger, welche Erfahrung ihn zu dem gemacht habe, was er nun sei (und ihn ja offensichtlich in die Lage versetzt habe, sich helmutschmidtesk interviewen zu lassen, bevorzugt in einem Rokokopalais, in dem das strikte Rauchverbot eigens aufgehoben werden musste, was die Brandschutzbehörde für Personen vom Formate des altersweisen Lesers natürlich gern tue) er kurz besonnen lächeln und kurz antworten könne, er habe im Juni 2009 etwas gelesen über einen Plumplori, und das habe sein Leben verändert. In Ermangelung eines Blogeintrags bleibt dem Leser wie mir nur die Ersatzdroge, in Bandwurmsätzen die Verben zusammen zu suchen und die banale Feststellung, dass Plumploris die vermutlich niedlichsten und streichelsüchtigsten Feuchtnasenaffen sind, die so rumlaufen.
And now… at last – Sonya!!!!(slow loris) from Dmitry Sergeyev on Vimeo.
Freilich könnte ich mit allerlei Erlebnissen aufwarten, die mir hier in Berlin widerfahren sind und die ich in Kisten aufbewahre, nach Interessantheitsgrad sortiert von “mäßig erzählenswert” über “hm” und “für Konversationstotalausfälle” bis “warten, bis ich Enkel habe, die mich sowieso nicht mehr ernst nehmen” (Man muss wohl die Art kennen, wie ich meine Hemden aufbewahre, um hinter die tiefgründige Ironie zu kommen, die in dieser Beschreibung lauert). Aber wer will das alles lesen, dieses höhepunktsarme Zeug, die in der S-Bahn aufgeschnappten Geschichten von weinenden Teenager-Mongolinen, die “Augenzeuge”, “Jobcenter” und Staatsanwaltschaft” brabbeln – neben allerlei mongolischem Zeug, von Schweizer Touristen, die U-Bahn-Haltestellen mitsprechen und Mandanten, die schreiend ankündigen, sich “gleich die Karten zu legen”. Zumal der Leser vermutlich mit diesen Geschichten und ihrer Interpretation allein gelassen wird, weil der Autor zu sehr damit beschäftigt ist, den Stil von Schelmenromanen aus dem dreißigjährigen Krieg zu imitieren.
Halten wir also fest, dass dies schon deshalb kein Blogeintrag sein kann, weil es dazu an Substanz und Kreativität fehlt und sich der schöpferische Output sich auf dem Niveau einer Orchesterversion von John Cages höchsteigenem opus magnus (hier ist der Hallenser Tierzüchter wieder voll an Bord) 4′33 bewegt.
Natürlich liegt der Verdacht nahe, mit der hier vorgelegten Zeichenkombination wolle der Verursacher sich – quasi durch die Hintertür einen Blogeintrag erschleichen. Aber das wäre natürlich zu billig und es erscheint auch dem im Allgemeinen sehr optimistischen Jean von Welt vollkommen unrealistisch, dass auch nur einer seiner Leser auf diesen plumpen Trick hereinfallen könnte.
Und so bleibt dem Autor nur, seine beiden Leser mit der schlechten Nachricht zu vertrösten, dass es auch heute nicht zu einem Blogeintrag gereicht hat.
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