Am Samstag (!) endet die Meldungsfrist für das zweite Staatsexamen und in Übereinstimmung mit der familiären Stimmung im Saarland fordert das Prüfungsamt von mir einen handgeschriebenen Lebenslauf, um sicher zu gehen, dass ich nicht einen Busfahrer zur Klausur schicke und das Prädikatsexamen aus der Arbeit seiner Klausuren kassiere. Nun gut. Wer mich kennt, weiß dass meine Kreativität eine gewisse überschießende Innentendenz dahingehend aufweist, dass ich mich dieser etwas seltsamen Anweisung gerne einmal widersetze oder durch entsprechende Formulierungen konterkariere. Um dem hier zu entgehen habe ich vorher eine Version meines Lebenslaufs verfasst, die ich, wenn ich mich vom Schalk in meinem Nacken reiten ließe, dem Busfahrer zur Vorlage beim Prüfungsamt vorgelegt hätte.
Nach dem Klick findet meine geschätzte Leserschaft (die zu meinem blanken Entsetzen zu einem nicht unerheblichen Teil neuerdings aus dem Forum “weltwirtschaftskrise.org” zu mir zu gelangen scheint) ebendiesen Arbeitsentwurf. Wie nicht anders zu erwarten, sind Ähnlichkeiten mit meinem tatsächlichen Leben zufällig und eher unbeabsichtigt.
<!– @page { margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } –>
Mein Name ist Jean-Baptiste Abel. Ich wurde am 01. Februar 1980 in Frankenthal im heutigen Rheinland-Pfalz als uneheliches Kind des tschechischen Diplom-Harfenstimmers Pavel Pavolenko Dingenskirchen und der ugandischen Performancekünstlerin N’Gramba Pelepele-Kadonga Abel geboren. Dort verbrachte ich mein erstes Lebensjahrzehnt in bitterer Armut. Wir lebten unter dem Spülbecken einer Töpferwerkstatt, wo ich mir beim Schein der Leuchtdiode des Warmwasserboilers mit Hilfe einer litauischen Taschenbibel und eines thailändischen Kompendiums deutscher Verwaltungsgesetze das Lesen beibrachte, bis meine Mutter auf Betreiben der iranischen Regierung eine Führungsposition in der Pressestelle des iranischen Atomprogramms annahm und wir zwei glückliche Jahre in Teheran verbrachten. Meinen beiden Brüder, der ehemalige Kinderstar einer bekannten Revue-Show Blaise Gneisenau Pelepele-Kadonga Abel und der Chefphilosoph der Firma Bauknecht Ramòn Sergejewitsch Abel-Prvo verdanke ich das Gelingen unserer Flucht aus dem Iran, nachdem meine Mutter durch eine verpatzte Eiskunstlauf-Kür bei den dortigen Machthabern in Ungnade gefallen war. Aus den Kirchensteuerbescheiden der letzten zehn Kalenderjahre fertigten Sie eine Pappmaschee-Nachbildung der „Bismarck“ im Maßstab 1 zu 5000, mit deren Hilfe wir unter Einsatz des Lebens unserer Afghanischen Fluchthelfer das Kaspische Meer überquerten. Nach Frankenthal zurückgekehrt beschloss ich an der Jeanette-Biedermann-Hauptrealschule für höhere Töchter meine schulische Karriere mit dem Abitur (Gesamtnote: äußerst ausreichend) und dem Wunsch, eine Ausbildung zum Latin Lover zu absolvieren ab.
Nach Ableistung meines freiwilligen ökologischen Jahres in der Trikotagenabteilung der Willy-Wonka-Kautschukfabrik entschloss ich mich jedoch um und holte meinen Wehrdienst bei der siebten Handstaubsaugerbrigade in Elberfeld nach. Dort wuchs in mir das Bedürfnis, meiner poetischen Ader Raum zu lassen. In den darauf folgenden Jahren verfasste ich zahllose Balladen, Essays und Schelmenromane, die ich unter dem Namen Rijn van Dornik als die „Rüdesheimer Elegien“ veröffentlichte (Fischer-Verlag ISBN 978-3-86680-192-9).
Von der Oberflächlichkeit der heutigen Hechtfischerei enttäuscht, wandte ich mich schließlich dem zu, was in all den Jahren als meine wahre Berufung in mir schlummerte. Ich studierte Jura und publizierte in der Zeitschrift für die gesamte Wissenschaft der Rechtsbotanik Pamphlete gegen die Einführung der Helmpflicht für Osterglocken. Um gegen die Benachteiligung der Eingeborenen in Nicaragua zu protestieren und ein Zeichen gegen das Diktat der freimaurischen Weltverschwörung zu setzen, entschied ich mich gegen eine Promotion und begann das Referendariat in Hessen, Mecklenburg- Vorpommern und dem Saarland, welches ich zur Erleichterung aller Beteiligten im August erfolgreich abschließen werde.
Ich strebe hiernach keine Karriere in der freien Wirtschaft an und plane stattdessen ein Praktikum in der Botschaft des Herzogtums Eisleben bei der OPEC.

on Nov 13th, 2008 at 19:23
ich wollte es dir erst später sagen, aber…du bist adoptiert!
on Jan 11th, 2009 at 20:26
Ganz großes Damentennis, dein Lebenslauf, zu geil… Kult!
on Jan 11th, 2009 at 20:29
Warte mal, bis ich mit meiner wahren Autobiographie komme…